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Rückfahrt : |
Da ich nur die vier Tage der darauffolgenden
Woche Urlaub genommen habe, gehe ich noch bis 12.00 Uhr arbeiten und starte
dann 12.30 Uhr in Frankfurt/Oder. Tagesziel ist erst einmal Thüringen,
wo ich die erste Nacht bei meiner Oma verbringen kann und schon 350 km vorwärts
gekommen bin.
Natürlich habe ich die letzten Tage den Wetterbericht sehr intensiv verfolgt,
aber so oft man ihn auch sieht, am Wetter ändert er doch nichts. Das
wurde schon tagelang immer kälter und unangenehmer. Kurz vor Lübben
zieht sich der Himmel völlig zu, und es fängt an zu schneien. Ich
habe mir noch gerade die Regenkombi über die Ledersachen gezogen, aber
die Fingerspitzen fallen mir vor Kälte fast ab. Als ich in Eilenburg
an einer Digitalanzeige vorbeifahre, zeigt diese 4 Grad an. Nicht gerade die
Temperatur, die ich mir in diesem Urlaub vorgestellt hatte. Man unterhält
sich schon seit Wochen über Palmen, Kamele und Oasen und nun dies.
Gegen 19.00 Uhr bin ich endlich am Ziel. Mein Magen hat so viel Kaffee verarbeitet,
wie nur selten in solch kurzer Zeit.
Wegen der recht geringen Temperaturen
am Morgen warte ich noch bis ca. 09.30 Uhr mit der Abfahrt. Von der Autobahn
aus sehe ich den Inselsberg im Thüringer Wald. Er ist ganz weiß
- schneebedeckt. Das Wetter geht so, aber es bleibt erst einmal sehr kalt.
Bei Bad Hersfeld hole ich die Regenkombi wieder aus dem Gepäck.Die schützt
noch etwas gegen den Fahrtwind. Warum habe ich Die nicht schon vorher angezogen?
Na, man versucht es ebend erst einmal.
Ab Frankfurt/Main wird es dann etwas wärmer (8 Grad) und die Sonne kommt
raus.
Gegen 17.00 Uhr bin ich dann in Frankreich - meinem heutigen Tagesziel. Erst
einmal fahre ich nach Mulhouse rein, um etwas französisches Geld am Automaten
abzuheben. Auf den Straßen der Stadt fallen mir sofort sehr viele Dunkelhäutige
auf. Obwohl ja Frankreich ein Kolonialland war, hätte ich das hier im
Norden doch noch nicht erwartet.
Kurz danach geht mir auf der Autobahn der Reißverschluß meiner
Lederjacke kaputt. Nach der Reparatur in der Kälte fasse ich den Entschluß,
jetzt endlich ein Hotel zu suchen. Es ist ja auch schon fast dunkel.
Heute ist es wie dann auch noch öfters auf dieser Fahrt. Beim Zusammentreffen
von Dunkelheit und Kälte macht man sich so seine Gedanken , was jetzt
bei einer Panne wäre bzw. wenn man nicht bald ein Quartier fände.
Zum Glück sind diese Gedanken grundlos, denn ich bin wenig später
in einem kleinen Hotel in Montbeliard.
Erst mal die heiße Wanne, dann den ARD Wetterbericht, Abendbrot und
nur noch müde ins Bett.
Abfahrt wie schon am Vortag um 09.30 Uhr.
Diesmal habe ich schon dazugelernt und ziehe die Regenkombi schon im Hotel
an. Mein Wirt erzählt mir was von 4 Grad, aber ab Lyon wären es
dann 15. Nach drei bis vier Stunden bin ich dann auch an Lyon vorbei und es
wird wirklich wärmer. Die Regenkombi verschwindet nun endgültig
bis zur Rückfahrt im Gepäck. Einmal lese ich auf einer Digitalanzeige
neben der Straße sogar etwas von 19 Grad. Dabei denke ich darüber
nach (habe ja viel Zeit dazu), daß es doch sinnvoll wäre, eine
Uhr und auch ein Thermometer am Motorrad zu haben. Der Witz dabei ist ja,
daß man im Auto, wo man jederzeit auf die Armbanduhr sehen kann, eine
eingebaute Uhr hat.
Die Natur wird jetzt zusehends grüner und die Bäume haben sogar
schon kleine Blätter. Alle paar Stunden kann man auf dieser Fahrt eine
Veränderung des Klimas bereits wahrnehmen. Diesbezüglich freue ich
mich natürlich ständig auf mein Ziel Marokko.
Die letzte Etappe in Frankreich bei Perpignan ist recht schön und wohlig
warm. Links sehe ich das Mittelmeer, rechts die Pyrenäen im Schein der
untergehenden Sonne. Allerdings läßt es sich wieder mal schlecht
fotografieren, denn auf den Parkplätzen hat man keine Fernsicht.
Mein Etappenziel, die spanische Grenze erreiche ich so gegen 18.00 Uhr und
auch ein Geldautomat findet sich einige Kilometer weiter in einem kleinen
Ort voller Fernlaster, Bars und Hotels. Mir ist es allerdings zu hektisch
und lebhaft hier. Sehr viele Jugendliche, die auf der Straße, in, und
vor den Bars sind. Ich entschließe mich noch einige Kilometer weiter
zu fahren, es ist ja auch noch hell. Sicher ist der nächste Ort etwas
ruhiger. So komme ich noch bis Figueres. Nachdem das erste Hotel belegt ist
und ich eine Runde durch die Stadt gedreht habe, nehme ich ein schönes
Drei-Sterne-Hotel zu 6000,- Pst (ohne Frühstück). Schließlich
ist es inzwischen doch fast dunkel und ich habe keine Lust noch länger
umherzufahren.
Sitze dann um 20.45 bei einem Glas Wein und schreibe diesen Text. Mir fällt
dabei ein, daß ich noch kein einziges Bild gemacht habe, aber auf der
Autobahn kann ich eben nur schlecht fotografieren und beim Schneetreiben am
ersten Tag war mir zu kalt.
Abendbrot spare ich mir heute. Habe keinen Hunger, aber schließlich
sitze ich ja auch den ganzen Tag nur so rum.
Geplant ist erst einmal die Tagestour durch Spanien bis Almeria. Von dort fährt die Fähre nach Melilla auf dem afrikanischen Kontinent. Genau wie Ceuta gehört diese Stadt politisch zu Spanien, obwohl ja beide schon in Afrika liegen. Hier erhoffe ich mir den Vorteil, daß die Zollkontrolle erst stattfindet, wenn ich bereits an Land auf afrikanischem Boden stehe. Gerade die Verbindung Almeria - Melilla ist mir insofern empfohlen worden,weil dort der Grenzverkehr nicht die Ausmaße hat, wie über die Straße von Gibraltar. Außerdem kann ich ein paar hundert Kilometer Motorradfahren einfach einsparen, um dann einen großen Bogen durch Marokko bis nach Tanger zu fahren.
Kurz nach meiner
Abfahrt in Figueres treffe ich einen deutschen Motorradfahrer mit einer GS
BMW. Er ist, genau wie ich, auch allein unterwegs und möchte ebenfalls
nach Marokko. Trotzdem reicht es nur zu einer Stunde gemeinsamer Fahrt mit
anschließendem Einkauf im Supermarkt. Er hat , im Gegensatz zu mir,
noch eine Woche vor sich, bis er Marokko überhaupt erreichen will und
tourt so lange noch gemütlich durch Spanien.
Bei Barcelona werde ich mich natürlich falsch einordnen und
finde mich kurz darauf im Stadtzentrum wieder, anstatt dieses zu umfahren.Das
kostet mich wenigstens eine halbe Stunde Zeit. An einer roten Ampel sind sofort
eifrige Fensterputzer zur Stelle und wollen sich auch an meine Windschutzscheibe
machen. Aber selbst, wenn ich den guten Willen hätte, mir diese moderne
Bettelei gefallen zu lassen, wäre die Scheibe nach zehn Minuten wohl
wieder in dem selben fliegenstarrenden Zustand. Also nichts wie raus aus der
Großstadt.
Inzwischen ist der Sommer vollends über mich hereingebrochen. Am Wegesrand
sehe ich ständig Palmen und große Kakteen. Alle Bäume sind
auch richtig grün, im Gegensatz zu denen zu Hause, die noch nicht mal
Blätter haben.
Die Strecke durch Spanien zieht sich doch länger als erwartet. Gegen
18.00 Uhr bin ich noch 200 km von Almeria entfernt. Ich könnte jetzt
zelten, das Wetter ist wunderbar, aber ich entschließe mich noch bis
Almeria durchzufahren, um mir dort ein Hotel zu nehmen. Da werde ich mit Sicherheit
erfahren können, wann die Fähre ablegt. Während der letzten
Stunde Fahrt bekomme ich dann auch noch einen schönen Sternenhimmel einschließlich
des Kometen zu sehen. Gegen 22.00 Uhr habe ich dann mein Hotelzimmer bezogen,
die Maschine in der Tiefgarage verstaut und zu Hause angerufen. Dann erfahre
ich an der Rezeption, daß die Fähre nur einmal täglich um
23.30 Uhr abfährt. Eigentlich sehr sinnvoll, denn dadurch kommt sie
gegen 7.00 Uhr in Melilla an, aber für mich völlig undiskutabel.
Nach 13 Stunden Fahrt und dem Bezug des Hotels habe ich keine Lust mehr wieder
aufzubrechen in eine ungewisse Nacht. Ich male mir aus, wie ich völlig
übermüdet und kaputt an der Grenzkontrolle zu Marokko stehe und
kaum noch weiß, wo ich meinen Paß hingesteckt habe.
Auch , wenn dadurch das Ziel dieser Tour gefährdet wird, ich muß
jetzt erst einmal schlafen.Am nächsten Tag kann ich dann noch mal im
Büro der Fährlinie nachfragen. Vielleicht fährt doch noch ein
anderes Schiff. Ansonsten bleibt mir nur der Weg über die Straße
von Gibraltar. Dann allerdings mit weniger Zeit im Zielland.
Das Frühstück
spare ich zum ersten Mal ein. Statt dessen nutze ich meinen mitgebrachten
Kocher für den morgendlichen Kaffee. Dann sofort zum Büro der ,,Trasmediterranea",
der Linie, welche mich über das Mittelmeer bringen soll.
Leider kann ich im Büro auch nichts anderes erfahren, als vorher schon
im Hotel. Lediglich als ich meine Maschine kurz vorher abstellen will, kommt
doch sofort ein Typ auf mich zu und bietet mir an auf mein Motorrad aufzupassen.
Es helfen weder gute noch ,,weniger gute" Worte, unter 200 Peseten läuft
hier nichts. Wieder einmal rächt es sich allein unterwegs zu sein, denn
ich möchte die Maschine, auf der ja auch das Gepäck aufgeschnallt
ist, nun nicht verlassen, ohne das ich seiner quasi Erpressung nachgebe.
Über die Fährverbindung bei Gibraltar kann ich hier auch nichts
erfahren. Also wieder Motor an und auf geht's.
Nach einem Blick auf meine Karte wird mir erst jetzt klar, daß die Fähre
nicht von Gibraltar, sondern natürlich von der spanischen Hafenstadt
Algeciras fährt. Ist doch logisch,oder nicht? Na ja, man brauchte sich
bisher auch noch nie mit diesem Thema beschäftigen.
Auf meiner Fahrt an der spanischen Südküste entlang komme ich durch
eine sehr schöne Gegend. Die Straße windet sich an der Mittelmeerküste
entlang und zur rechten Seite liegen die hohen Berge. Eigentlich ist schon
hier die optimale Gegend für einen Motorradurlaub, und ich nehme mir
diesen schon für die Zukunft vor. Um diese Jahreszeit liegt die Temperatur
bei sehr angenehmen 25 Grad und die Preise sind noch moderat, da der große
Touristeneinfall noch nicht stattgefunden hat. Alte Leuchttürme säumen
die Strecke und hin und wieder führt eine kleine Straße ins Inland.
Kurz vor Algeciras, um 15.30 Uhr, kaufe ich mir dann das Ticket für die
Fähre. Die fährt um 16.15 Uhr. Fahre also in aller Eile durch die
Stadt, was aber nicht besonders schwer fällt, da der Hafen gut ausgeschildert
ist. Am Einfahrtstor winkt mich ein älterer Mann heran, möchte mein
Ticket sehen und Geld für die Durchfahrt. In dem Moment, wo ich daran
denke, mir erst einmal seinen Ausweis zeigen zu lassen, stürzen noch
zwei jüngere Typen dazu, was mein Mißtrauen endgültig besiegelt.
Zu meinem Ticket komme ich nur, in dem ich den Daumen des einen selbsternannten
Kassierers wieder davon wegbiege und dann weiterfahre.
Im Hafen geht alles reibungslos. Anstellen an die Kolonne, Auffahrt in die
Fähre und festzurren der Maschine an der Seite des Parkdecks. Zum Glück
habe ich Hilfe von einem anderen Fahrer, der wohl hier aus der Gegend ist.
Gurte sindjedenfalls im Deck vorhanden.
Leider komme ich dann nicht auf ein offenes Deck, da es sich hier
um ein geschlossenes Schiff handelt. So muß ich mir alles, was ich nur
aus Büchern und Fernsehen kenne nun auch noch durch das Fenster ansehen.
Ist aber trotzdem äußerst eindrucksvoll. Der Felsen von Gibraltar,
die gleichnamige Meerenge und auf der anderen Seite schon sehr schön
zu erkennen Afrika. Ich weiß leider nicht, ob so ein tolles Gefühl
auch bei einer gebuchten Pauschalreise aufkommt, aber es gibt ja Leute, die
darauf stehen.
Ungefähr eine Stunde dauert die Überfahrt, dann betrete (oder besser
befahre) ich zum ersten Mal in meinem Leben afrikanischen Boden. Nun möchte
ich den Weg aus der spanischen Hafenstadt Ceuta heraus nehmen, um dann ein
Stück nach Marokko hinein zu fahren.
An der ersten Ampel dann das dritte Ereignis dieser Art am heutigen Tag ;
als ich bei Rot stehen bleiben muß, kommt gleich ein jüngerer Mann
in Lederjacke zu mir und bietet sich in deutscher Sprache als Reiseführer
an.
Er würde für ein Reiseunternehmen arbeiten und könnte mir die
nahe Stadt Tetouan zeigen, dort währe heute Markttag. Ich brauche allerdings
keinen Schlepper und als es Grün wird fahre ich weiter.
Langsam stinkt es mir wirklich an, daß man als Tourist immer Zielscheibe
zwielichtiger Elemente ist. Am besten hat sich hier in der Vergangenheit bewährt,
wenn man sich generell aus Gebieten heraushält, in denen sich sonst
die Touristen konzentrieren. Das habe ich ja auch vor, aber um eine Einreise
durch die Hafenstadt kann ich mich nun mal nicht drücken.
Ein klein wenig anders sieht es am Kontrollpunkt zu Marokko aus. Diesmal winkt
mich ein offensichtlich marokkanischer Mann heran. Allerdings trägt er
eine Plakette am ordentlich aussehenden Gewand und weist sich auch noch als
offizieller Fremdenführer aus. Außerdem befinden wir uns hier innerhalb
der Absperrungen. Er hilft mir auch wirklich ganz gut durch die Formulare
und begleitet mich danach auf meinem Motorrad bis ins ca. 30 km entfernte
Tetouan. Dort stellen wir die Maschine in ein Parkhaus, um dann erst einmal
in die Altstadt zu gehen.
Es wird langsam dunkel und die Eindrücke erschlagen
mich nun völlig. Einen arabischen Basar aus Filmen oder Reiseberichten
kennenlernen zu wollen ist wohl so, als wollte man den Geschmack eines Gerichtes
beschreiben, nur weil man darüber gelesen hat.
Mein Reiseführer erzählt mir , es gäbe hier noch ein Geschäft,
von dessen Dach man die ganze Altstadt gut überblicken kann. Man könne
dort auch etwas kaufen, es wäre aber auch kein Problem, wenn man nichts
nimmt. Dies muß ich erwähnen, obwohl ich mir sicher bin, daß
er eine gewisse Provision von dem Teppichhändler bekommt, um den es sich
hier handelte.
Nach der Begrüßung und dem erwähnten Überblick von der
Dachterrasse, einem Gespräch über Familie , Beruf und Fahrt , bittet
mich der Händler Platz zu nehmen um mir die Arbeiten der Berber zu zeigen,
wie er sich selbst ausdrückt. Ich muß zugeben, daß mich die
arabische Handelsmentalität schon interessierte, so daß ich mich
bei einem wohlschmeckenden starken Tee schon darauf einließ und im
Endresultat auch einen kleinen gewebten Teppich erwarb. Es ist schon interessant,
daß man ja eigentlich nichts kaufen will und dann doch etwas mitnimmt.
Die Regel lautet jedenfalls :
,,Handeln macht Spaß" , und so handelten wir auch eine ganze Weile.
Auf dem Motorrad ist allerdings der Transport auch eines kleinen Teppichs
schlecht, so daß ich das Angebot annehme Ihn mir schicken zu lassen.(Zur
Zeit - fast zwei Wochen später - liegt er auch bereits in meiner Wohnung)
Auf dem Rückweg zur Garage beginnt es dann sogar zu regnen . Es folgt
noch eine kurze Verhandlung über das Honorar des Führers, dann begleitet
er mich noch zum nahen Hotel und für mich geht ein ereignisreicher Tag
zu Ende.
Kaffee gekocht wird im Hotel auf meinem Campingkocher. Da ich am
Abend auch kein Restaurant oder so etwas in der Art gesehen habe, lebe ich
mal wieder aus dem Koffer. Da ist aber noch genug drin.
Danach geht es zur Garage, das Motorrad holen. Mir ist schon etwas bange vor
der Verhandlung über den Preis, denn es ist noch nichts ausgemacht (man
macht doch immer wieder die gleichen Fehler) und der Reiseführer gab
mir darauf gestern auch keine eindeutige Antwort. Dann will der alte Mann
in der Garage aber nur 20 Dirham, etwa 3,50 Mark, von mir, so daß sich
jegliches Verhandeln erübrigt. Wer hier als ,,reicher" Europäer
bei solch geringen Beträgen dennoch um den letzten Centime feilscht,
könnte auch schnell als Geizhals angesehen werden.
Ich möchte nun von Tetouan aus in Richtung Süden.
Die Strecke führt durch das Rifgebirge, vor dem ich schon gewarnt worden
bin,weil es sich hier um das Hauptanbaugebiet für Haschisch für
Europa handelt. Da meine Strecke aber nur den Rand des Gebirges streift, mache
ich mir hierüber nicht allzu viele Gedanken. Mehr beschäftigt mich
da schon der wirklich extreme Seitenwind, der auf den kurvigen Straßen
urplötzlich die Richtung wechseln kann. Ein sehr feiner Sprühregen
kommt noch dazu, der aber nicht direkt unangenehm ist, da trotzdem die Sonne
scheint.
Hier werde ich nun auf ein Problem aufmerksam, das wahrscheinlich
typisch für ganz Afrika ist. Es fliegen seit ich die Stadt verlassen
habe eine Unmenge Plastiktüten durch die Luft und über das Land.
Stellenweise habe ich das Gefühl über eine Müllhalde zu fahren.
Dabei wird mir bewußt, daß ich nirgends ein Anzeichen für
eine geordnete Müllabfuhr gesehen habe. In den Dörfern sehe ich
dann auch die Art der Müllbeseitigung. Neben dem Haus oder der Hütte
wird alles überflüssige abgeladen. Nach und nach weht es der Wind
zu, oder wie in diesem Fall auch weg. Diese Methode funktioniert wohl seit
Jahrtausenden, aber seit auch hier der Zivilisationsmüll Einzug gehalten
hat, der nicht einfach verrottet, klappt das natürlich nicht mehr.
Im Gebirge ist es dann allerdings doch so richtig schön. Obwohl es fast
wie in vielen europäischen Gebirgen aussieht, merkt man doch irgendwie,
daß man woanders ist. Vielleicht liegt das ja auch an den Gebäuden
oder ganzen Ortschaften, die zerstreut überall vorhanden sind. Überhaupt
macht das Land den Eindruck, als wenn es nicht sehr dicht, dafür aber
überall besiedelt ist. Sollte man wirklich einmal kein Haus sehen, so
steht dafür wenigstens ein Ziegenhirt am Wegesrand.
Bei Ouazzane verlasse ich das Rifgebirge. Der Himmel ist blau
und wolkenlos und die Temperatur ist auf, für meine Verhältnisse,
sommerliche Werte geklettert. Da ist erst einmal Umziehen angesagt.
Mir wird allerdings auch immer bewußter, daß ich hier
ziemlich verlassen dastehe, wenn am Motorrad etwas ausfällt. Seit kurzem
beunruhigt mich ein Knacken beim Anfahren, das wohl von der Kette herrührt.
In Erwartung von Sand und Staub habe ich die natürlich nicht mehr gefettet,
was sich jetzt rächt. Richtig gespannt ist sie noch und ich kann auch
nicht sehen, ob sie überspringt, oder die Geräusche gar aus dem
Motor kommen. Wenn ich nur daran denke, daß mir hier die Kette reißt,
wird mir nicht wohler. Daher entschließe ich mich im Bogen an die Atlantikküste
zu fahren, um dann morgen, am Donnerstag, wieder nach Spanien überzusetzen.
Die Heimfahrt wird ohnehin noch lang genug und bis zum Atlas oder gar in die
Wüstengebiete schaffe ich es sowieso nicht mehr.
Also fahre ich sehr gemütlich über kleine Nebenstraßen durch
,,Souk-el-Arba-du-Rharb" ,(kein Ort, in dem ich gern wohnen würde ) zur
Küste bei ,,Moulay-Bousselham". Dort treffe ich wieder Erwarten auf
eine moderne Autobahn, die die Küste entlang führt und auch auf
meiner sehr detaillierten Karte nicht eingezeichnet ist. Sie gehört zur
Transitstrecke von Tanger nach Casablanca. Nach den kleinen Nebenstraßen
bin ich nicht böse bis nach Larache gut vorwärts zu kommen. Dort
gibt es sogar einen Campingplatz, aber ich möchte erst mal außerhalb
sehen, ob ich einen schönen Platz finde. Der ist dann auch wirklich bald
erreicht, in den Dünen nördlich der Stadt. Einige Frauen sammeln
noch Holz, ansonsten bin ich hier allein. Da kann ich am menschenleeren Strand
noch ein Bad in den hohen Wellen nehmen, bevor ich dann mein Zelt hinter den
Dünen aufbaue.
Als mit der Dunkelheit einige Mücken auftauchen, verschwinde
ich im Zelt.
Auch hier, auf der vom Meer abgewandten Seite der Düne gibt
es in der Nacht noch Wind genug, so daß es meine Zeltbefestigung wieder
aus dem weichen Sandboden treibt. Das bleibt aber der einzige Grund, warum
ich mitten in der Nacht mal aufstehen muß.
Pünktlich
um 05.00 Uhr weckt mich der Muezin der nahen Ansiedlung. Mir erscheint das
jetzt alles, als ob man mich in einen Sindbadfilm hineingebeamt hätte.
Frühstück, packen und los gegen 07.30 Uhr, so zeitig wie noch nie.
Aber dafür lag ich ja auch schon vor 20.00 Uhr im Zelt.
Da ich mich dort inzwischen auskenne, möchte ich wieder über Ceuta
das Land verlassen. Die Straße dorthin führt wieder durch das Rifgebirge.
Wieder ist es extrem windig, nur noch stärker als beim ersten mal. Ich
kann nicht mal stehen bleiben um zu fotografieren, denn ohne die Hand an
der Bremse drückt es die Maschine derart weg, daß ich nicht in
der Lage bin sie nur mit den Füßen zu halten. Wie ich erst später
erfahre, gab es auch in Europa orkanartige Stürme.
In Ceuta läuft alles wie geplant. Kurze Kontrolle an der Grenze, dann
das restliche Geld zurücktauschen, ein Ticket für die Fähre
kaufen, zollfreies Benzin tanken und rauf auf das Schiff. Dieses Schiff ,
mit der Aufschrift ,,Bahia de Ceuta" ist etwas größer und hat auch
ein offenes Oberdeck. Nach dem obligatorischen Festzurren des Motorrades und
der Aussicht von Deck trinke ich erst mal einen Kaffee an der Bar. Darauf
hätte ich wohl besser verzichten sollen, denn auf Grund des Sturmes ist
auch das Mittelmeer sehr aufgewühlt. Das Schiff rollt und stampft und
rührt den Kaffee in meinem Magen noch mehrmals durch. Zwei Sitzreihen
vor mir übergibt sich jemand und ich gehe voller Sorge nach dem Motorrad
sehen. Schließlich betrug der Abstand zum Mercedes daneben gerade mal
10 cm. Als ich die Eisentreppe zum Parkdeck hinunter taumele, spüre ich
kurz so etwas wie Schwerelosigkeit, um wenige Augenblicke später, mit
voller Wucht auf die Treppe gedrückt zu werden. Aus den Fenstern sieht
man für einen Moment nur Himmel, kurz danach nur noch Wasser. Die Wellen
krachen tosend gegen die Schiffswand.
Im Parkdeck sieht es aus, wie in der Arobicstunde für Autos. Die Fahrzeuge,
auch mein Motorrad, gehen voll in die Federn, um sich kurz darauf wieder nach
oben zu strecken. Meine Sorge war zum Glück unbegründet, das Motorrad
steht gut verzurrt an der Wand.
Ich sehe zu, daß ich wieder an's Oberdeck komme, dort kann man wenigstens
die Horizontlinie sehen. Ist allerdings auch etwas feucht hier, denn die
Gischt spitzt sogar über das große Schiff hinweg.
Der Rest geht dann schnell, Kettenspray und destilliertes Wasser wird an
der ersten spanischen Tankstelle gekauft dann in einem Restaurant an der
Küstenstraße mal wieder richtig gegessen. Mit dem Einsprühen
der Kette verschwindet dann auch sofort das Knacken.
Hinter Malaga geht es dann auf den Campingplatz ,,El Pino". Wozu habe ich
denn das Zelt sonst auch mitgeschleppt? Etwa nur für einmal Afrika ?
Dann sitze ich auch bald gemütlich beim Bier und schreibe wieder an meinen
Notizen.
Heute führt mich der erste Abschnitt meiner Fahrt wieder an der ,,Costa del Sol" , der spanischen Südküste entlang. Hier sollte man ruhig mal etwas länger Urlaub machen. Blauer Himmel, Sonne und es ist schön warm. Das auch noch Ende März , Wahnsinn. Auf den Bergen nördlich der Straße liegt sogar Schnee, derweilen am Wegesrand die Kakteen wachsen. Eigentlich fast Badewetter, auf jeden Fall aber ideales Motorradwetter.
Es folgt natürlich auch bald die Autobahn, welche noch bis Alicante
moutfrei ist. Danach schlägt die Gebühr wieder hart zur Kasse. Etwa
das doppelte des Benzingeldes muß ich hier in Spanien zahlen. Tue ich
dies aber nicht, sondern fahre abseits der Autobahn, so müßte ich
eine Nacht mehr im Hotel verbringen, so daß auch kein Geld gespart wird.
Über diese Autobahnbretterei muß ich wohl nicht viel schreiben,
nur, daß ich heute etwas länger fahre, weil ich noch in der Wärme
Kilometer abspulen will. So bin ich erst 21.35 Uhr in einem Kleinstadthotel
nördlich Barcelona.
Muß am nächsten Tag erst einmal auf der Karte nachsehen, wo ich
hier eigentlich bin. Aber das Hotel ist schön, am kleinen Marktplatz
der Stadt gelegen (heute weiß ich - Sie heißt Sant Celoni ). Ein
altes, schön ausgebautes Haus zum fairen Preis, fast schon ein kleines
Schloß.
Heute gibt es eigentlich kaum
etwas zu berichten. Bin wieder in ,,meinem" alten Hotel in Montbeliard gegen
19.30 Uhr völlig durchgefroren angekommen.Erst mal richtig heiß
baden, dann bei einem Glas Wein (oder zwei oder drei ?) meine Reisenotizen
schreiben. Während des letzten Fahrtabschnittes habe ich es kaum noch
geschafft, die Kreditkarte für die Autobahngebühr mit meinen klammen
Fingern zu zücken. Mich plagen dann jedesmal die Gedanken an eine Panne
in dieser Kälte bei Dunkelheit. Nicht auszudenken, aber es liegen Welten
zwischen dem warmen Bad im Hotel und der möglichen Panne auf der Autobahn.
Hier ist eben doch noch kein Motorradwetter.
Den Wetterbericht habe ich übrigens verpaßt, weil ich zwei Minuten
zu spät aus der Wanne kam.
Viel
ist ja nun nicht mehr zu sagen. Der Sonntag ist etwas kälter und kaum
habe ich mir die Regenkombi gegen den Wind übergezogen, da beginnt auch
gleich ein eiskalter Regen. Der hält aber zum Glück nicht lange
an. In der Gegend von Frankfurt/Main fahre ich fast zwei Stunden mit einem
BMW - Fahrer zusammen, inclusive Pause mit Kaffee. Er ist ganz erstaunt, als
er hört, wo ich bei diesem Wetter gerade herkomme
Erst einmal geht es wieder bis Thüringen und am Montag dann richtig
ausgeschlafen den Rest nach Frankfurt/O. Ich muß an meine Kindheit
denken, wo die Fahrt von Frankfurt/O. nach Thüringen schon eine richtig
große Reise war. Heute ist es nur der letzte kurze Abschnitt, bevor
ich wieder zu Hause bin.
Wie schon am Anfang gesagt, gelohnt hat sich diese Fahrt für mich schon,
da ich noch nie zuvor in dieser Gegend war. Weder in Spanien , noch in Marokko.
Auch habe ich ja Südspanien als zukünftiges Ziel einer Motorradtour
entdeckt.
Noch einmal würde ich aber nicht auf diese Art mit so wenig Zeit im Gepäck
fahren und auch anderen davon abraten, genau wie vorher andere mir davon
abgeraten haben.
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